Verlagsankündigung der SFG

Sigmund-Freud-Gesamtausgabe (SFG)

23 Bände

Herausgegeben von Christfried Tögel, unter Mitarbeit von Urban Zerfaß

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Der Psychosozial-Verlag veröffentlicht die erste vollständige Ausgabe von Freuds Schriften zwischen 1877 und 1939 – also einschließlich der sogenannten voranalytischen Arbeiten zwischen 1877 und Anfang der 1890er Jahre.

Aus der Einleitung

Die Tradition, Schriften Freuds in gesammelter Form herauszugeben, reicht in das Jahr 1906 zurück. Damals veröffentlichte der Verlag Franz Deuticke in einem Band die Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre mit Arbeiten Freuds aus den Jahren 1893 bis 1906.

Zwischen 1924 und 1934 erschienen im Internationalen Psychoanalytischen Verlag Freuds Gesammelte Schriften in zwölf Bänden. Diese Ausgabe war wiederum die Grundlage für die Gesammelten Werke in 18 Bänden, die bei Imago Publishing in London zwischen 1940 und 1952 veröffentlicht wurden. Der S. Fischer verwendete diese Ausgabe für seinen photomechanischen Nachdruck, der 1987 durch einen Nachtragsband ergänzte wurde. Diese beiden großen Werkausgaben wurden von einem Herausgeberteam und Leitung Anna Freuds veranstaltet.

Ab 1953 erschien die Standard Edition of the Complete Psychological Works of Sigmund Freud. Sie umfasste 24 Bände und wurde von James Strachey in Zusammenarbeit mit Anna Freud bei Hogarth Press in London herausgegeben. Diese Ausgabe lag 1974 vollständig vor.

Auf der Grundlage der Standard Edition entstand zwischen 1969 und 1975 die 10-bändige Studienausgabe des S. Fischer Verlags, für die Alexander Mitscherlich, Angela Richards und James Strachey verantwortlich zeichneten. Ilse Grubrich-Simitis gab 1975 einen Ergänzungsband mit technischen Schriften heraus und 1989 erschien im Zuge einer revidierten Neuausgabe eine Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz von Ingeborg Meyer-Palmedo und Gerhard Fichtner (Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag (1989).

Keine der hier erwähnten Ausgaben enthält – von wenigen Arbeiten abgesehen – Freuds voranalytische Schriften, d.h. die Publikationen, die zwischen 1877 und 1893/4 erschienen sind.

Die hier vorgelegte Sigmund-Freud-Gesamtausgabe will u.a. diese Lücke füllen. Sie umfasst alle von Freud für den Druck bestimmte Schriften, soweit sie uns bekannt sind. Dazu gehören auch Rezensionen und Artikel für Handbücher und Lexika. Allerdings sind diese nicht immer gezeichnet, so dass oft eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt.

Nicht in der SFG enthalten sind:

  1. Übersetzungen (wohl aber Vor- bzw. Nachwörter des Übersetzers, d.h. Freuds);
  2. Briefe (außer sie haben offiziellen Charakter und sind zur Veröffentlichung  bestimmt gewesen);
  3. Krankengeschichten (es sei denn, sie sind von Freud veröffentlicht worden).

Die SFG will Freuds Veröffentlichungen in der Form zugänglich machen, in der sie zum ersten Mal erschienen sind. Damit ist das Unterfangen bescheiden, wenn auch nicht unwichtig: Es liefert ein weitgehend authentisches Bild davon, wie Freud seine Arbeit der Öffentlichkeit zum jeweiligen Zeitpunkt präsentieren wollte. Damit werden auch Wandlungen über die Zeit deutlich. Das scheint uns auch im Sinne Freuds zu sein, hatte er doch in einem Handbuchartikel zum Stichwort »Psychonalyse« geschrieben: »Man versteht die Psychoanalyse immer noch am besten, wenn man ihre Entstehung und Entwicklung verfolgt.« (»Psychoanalyse«, Marcuse, 1923, S. 377).

Von Freud verworfene Manuskripte sind nicht in die SFG aufgenommen worden. Auch Notizen, die er im Vorfeld einer Publikation machte sind nicht berücksichtigt. Das alles bleibt einer historisch-kritischen Gesamtausgabe vorbehalten, die seit Jahrzehnten überfällig ist. Deshalb wurde auf einen editorischen Apparat weitgehend verzichtet.

Die SFG ist folgendermaßen aufgebaut:

  1. Die Bände 1-20 enthalten die von Freud zur Veröffentlichung bestimmten Arbeiten in chronologischer Form.
  2. Der Band 21 enthält Zusammenfassungen von Vorträgen, die entweder unveröffentlicht oder nach Freuds Tod erschienen bzw. von fremder Hand sind. Außerdem werden hier die Interviews abgedruckt, die Sigmund Freud gegeben hat.
  3. Band 22 enthält in zwei Halbbänden ein Freud-Diarium, das unabhängig von ihrer Bedeutung für Freuds Werk datierbare Ereignisse aus Freuds Leben auflistet. Der erste Halbband wird eingeleitet durch von Freud selbst geführte Chroniken und Kalender.
  4. Band 23 enthält das Gesamtregister.

Bei der Gestaltung der Ausgabe wurde folgendermaßen vorgegangen:

  1. Der Text wird nach der Erstveröffentlichung wiedergegeben. Die Orthographie wird bei beibehalten, offensichtliche Druckfehler werden stillschweigend korrigiert. Fremdsprachige Texte werden nicht übersetzt. Die Seitenzahlen der Originalausgabe finden sich an der entsprechenden Stelle im Text.
  2. Alle Veröffentlichungen erhalten ein Kürzel, das aus dem Jahr der Veröffentlichung und einer fortlaufenden Nummer besteht, also z.B. 1877-01. Im Anhang jedes Bandes findet sich eine Konkordanz, die die Lokalisierung in den Gesammelten Schriften, den Gesammelten Werken, der Studienausgabe und die Zuordnung zu den von Strachey und Meyer-Palmedo/Fichtner verwendeten Siglen erlaubt.
  3. Die Reihenfolge der Texte weicht von den Bibliographien von Strachey bzw. Meyer-Palmedo & Fichtder in manchen Punkten ab. Bei nicht eindeutig feststellbarem Erscheinungstag oder -monat wird dem inhaltlichen Zusammenhang oder der Reihenfolge in den »Inhaltsangaben der wissenschaftlichen Arbeiten des Privatdocenten Dr. Sigm. Freud (1877 – 1897)« der Vorrang gegeben.
  4. Bei Buchveröffentlichungen mit mehreren Auflagen wird die erste Auflage in die gedruckten Bände der SFG aufgenommen; alle weiteren Auflagen finden sich lediglich in der digitalen Ausgabe.
  5. Jedem Text wird eine Einführung in den biographischen und wissenschaftshistorischen Zusammenhang vorangestellt.
  6. Die Einführung wird in der Regel ergänzt durch eine Abbildung der Titelseite und gegebenenfalls durch weitere relevante Fotos; nur diese wurden in das Abbildungsverzeichnis aufgenommen, nicht Abbildungen von oder aus Freuds Arbeiten.
  7. Auf Anmerkungen des Herausgebers, Erklärung medizinischer Fachbegriffe und ergänzende biographische und bibliographische Angaben wird weitgehend verzichtet. Wo sie dennoch angebracht erscheinen werden sie als solche kenntlich gemacht.
  8. Wird auf einen Text Bezug genommen, der in der SFG enthalten ist, wird auf das SFG-Kürzel und den entsprechenden Band verwiesen; Seitenzahlen können in diesen Fällen wegen des schrittweisen Erscheinens nicht angegeben werden.
  9. Veröffentlichte Briefe werden nach der von Ingeborg Meyer-Palmedo und Gerhard Fichtner bearbeiteten Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz zitiert.