1923 ca. Febr.
F. erhält einen "reizenden Brief und Buchwidmung" von Romain Rolland
1923 Febr. Ende
F. entdeckt erste Zeichen seines Mundhöhlenkrebses. - Graf Hermann
Keyserling besucht F. - F. schreibt seine Arbeit "Die infantile Genitalorganisation".
1923 März 11
Georg Groddeck sendet F. das Manuskript eines Herrn von Roeder über
. F. antwortet sehr skeptisch: Sein Verständnis und Urteil seien durch
den Stil "dauernd gelähmt" worden.
1923 März 20
F. erhält von Fernando Gorriti dessen Werk "Anamnesis general
de 5000 enfermos mentales clasificados. Con 33 diagramas" mit der Widmung:
Al sabio profesor de Psiquiatr¡a de la Universidad de Zurich, Dr
Freud, homenaje del autor: / Fernando Gorriti / 20-III-923 / in Buenos
Aire, calle Bulnes 94.
1923 Frühjahr
F. gibt dem französischen Journalisten Raymond Recouly ein Interview.
1923 Apr. 7
Felix Deutsch besucht F. und dieser bittet ihn, sich seinen Gaumen
anzusehen. Obwohl Deutsch Krebsverdacht hatte, stellte er die Diagnose
"Leukoplakie", um F. zu beruhigen.
1923 Apr. 10
F.s Sohn Oliver heiratet Henny Fuchs in Berlin.
1923 Apr. 19
Im Rahen des Ambulatoriums wird die Erziehungsberatungsstelle eröffnet.
Die Leitung übernimmt Hermine Hug-Hellmuth. Ihre Nachfolgerinnen sind
Flora Kraus ab 1924 und Edith Sterba ab 1928.
1923 Apr. 28
F. konsultiert den Rhinologen Markus Hajek und den Dermatologen Maximilian
Steiner wegen einer Geschwulst am Gaumen. Er wird von Hajek in dessen Klinik
operiert und bleibt dort 2 Tage. Als es zu einer postoperativen Blutung
kommt, rettet ein zwergwüchsiger Kretin F. das Leben, indem er Hilfe
holt.
1923 Juni Anfang
F.s Enkel Heinz Rudolf ("Heinele") Halberstadt (Sohn von F.s Tochter
Sophie erkrankt an Miliartuberkulose.
1923 Juni 19
Tod von F.s Enkel Heinz Rudolf, genannt "Heinele", dem Sohn von F.s
Tochter Sophie. F. schreibt an Ferenczi: "Mein liebes Kind ist gestern
gestorben" und noch ein Jahr später anläßlich der Geburt
des siebenten Enkelkindes: "Es sind jetzt sieben, keines kann mich das
verlorene Heinele vergessen machen."
1923 Juni 30 - Juli Ende
F. ist zur Kur mit seiner Schwägerin Minna Bernays in Badgastein.
Felix Deutsch besucht ihn dort auf Drängen von F.s Tochter Anna. Um
den 17. Juli fährt er für etwa 2 Wochen nach Annenheim am Ossiacher
See.
1923 Juli
F. erhält von J. Millot Severn dessen Buch "Popular Phrenology"
mit der Widmung: Brighton, England / July. 1923. / To Professor Sigmund
Freud / Vienna / With the author's / good wishes.- / J. Millott Severn.
1923 Juli 19
Julius Banko, der Direktor der Antikensammlung des Kunsthistorischen
Museums stellt eine Expertise über die Echtheit von F.s "Ödipus
löst das Rätsel der Sphinx" aus.
1923 Juli Ende
F. ist wieder für einige Tage in Annenheim.
1923 Aug. Anfang - Aug. 31
F. ist zum Urlaub in Lavarone im "Hotel du Lac", u.a. mit dem Sohn
seiner verstorbenen Tochter Sophie Ernst. Felix Deutsch besucht ihn dort
auf Drängen von F.s Tochter Anna. Max Eitingon besucht F. im August
und
am 1. August kommt Ernest Jones nach Lavarone. Edward Kempf besucht
F. auf Empfehlung von Stanley Hall. Am 26. tagt das "Komitee" in Castel
Toblino, dann in San Cristoforo, allerdings ohne F. Auf der letzten Sitzung
des "Komitees" in San Cristoforo erfahren die Mitglieder von F.s Krebsleiden;
es kommt außerdem zu Streitigkeiten mit Otto Rank.
1923 Sept. 1 - Mitte
F. fährt mit seiner Tochter Anna nach Verona und Rom (Hotel "Eden").
Im Zug nach Rom bekommt F. eine starke Blutung im Mund.
1923 Sept. 26
F. wird durch den Laryngologen Markus Hajek und dem Chirurgen Hans
Pichler in der Lichtenfelsgasse 1 untersucht; Sie stellen ein Rezidiv des
Krebsgeschwüres fest und beschließen eine zweite Operation.
Pichler fertigt eine neue Prothese an.
1923 Sept. 27
Hans Pichler reinigt und untersucht F.s Zähne.
1923 Okt.
F. beginnt am "Abriß der Psychoanalyse" zu schreiben. Er erscheint
zuerst in englischer Sprache unter dem Titel "Psychoanalysis: Exploring
the Hidden Recesses of the Mind".
1923 Okt. 4
Hans Pichler unternimmt bei F. im Sanatorium Auersperg (Auerspergstr.9)
eine submandibulare und cervicale Drüsenausräumung und die Ligatur
der Carotis externa. Assistent ist Anton Bleichsteiner.
1923 Okt. 11
Hans Pichler führt im Sanatorium Auersperg eine radikale Operationen
am Oberkiefer und Gaumen aus. Assistenten sind Otto Hofer und wiederum
Anton Bleichsteiner. Am selben Abend raucht Freud bereits wieder, ist aber
später gezwungen, eine Prothese im Mund zu tragen, die ihn beim Essen
und Sprechen schwer behindert. Er muß aber noch zwei Wochen im Sanatorium
bleiben.
1923 Okt. 12
F. kann nach der Operation noch nicht sprechen, trinkt aber schon und
nimmt "breiige Sachen" wie Apfelpüree zu sich.
1923 Okt. 13
F. hat einen kurzzeitigen Temperaturanstieg auf 39 Grad, verbunden
mit einem Schwächegefühl.
1923 ca. Okt. 15
Otto und Vera Schmidt aus Moskau besuchen Freud (und Abraham in Berlin).
1923 Okt. 19
F.s Tampon wird erneuert.
1923 Okt. 24
F. wird nach Hause entlassen und von Pichler besucht.
1923 Nov. 5
F. hat allmählich zunehmende Schmerzen. Nach Abstoßung eines
nekrotischen Fetzens wird ein zerklüftetes Ulkus sichtbar ist. An
einer Stelle kommt etwas Eiter heraus.
1923 Nov. 9
Hans Pichler schleift F.s Prothese etwas ab und sie sitzt nun besser.
1923 Nov. 10
F. hat wieder stärkere Schmerzen, die durch das Abnehmen der Prothese
zurückgehen.
1923 Nov. 12
Hans Pichler operiert im Sanatorium Auersperg unter Assistenz von Otto
Hofer und Dr. Hertzka ein erneutes Krebsrezidiv F.s und entfert dabei den
größten Teils des rechten weichen Gaumens und des Processus
pterygoideus.
1923 Nov. 14
Die Operationsnaht zwischen weichem Gaumen und Prothese ist losgegangen
und der Stentskloß in den Mund gerutscht, wo er F. starke Beschwerden
macht. Er wird zerstückelt und herausgenommen.
1923 Nov. 15
Visite durch Hans Pichler.
1923 Nov. 16
Visite durch Hans Pichler.
1923 Nov. 17
F. unterzieht sich auf Empfehlung von Paul Federn einer Steinach-Operation
(Unterbindung beider Samenleiter), in der Hoffnung, daß sein Krebsleiden
positiv beeinflußt wird. Die Operation wird wahrscheinlich von Victor
Blum durchgeführt. - Visite durch Hans Pichler. F. meint ein dreiviertel
Jahr später, daß die Operation keinerlei Erfolg erzielt hat.
1923 Nov. 19
F. hat starke Schmerzen, aber kein Fieber.
1923 Nov. 27
Hans Pichler versucht erneut, F.s Prothese besser einzupassen.
1923 Dez. 10
F. kann wieder gut schlucken und sprechen.
1923 Dez. 19
F. trifft Arthur Schnitzler in der Wiener Innenstadt.
1923 Dez. 20
F.s Prothese sitzt jetzt besser. Er kann sie jetzt allein herauszunehmen
und wieder einzusetzen. Bei einem Konsilium mit Guido Holzknecht wird beschlossen,
F. mit Röntgenstrahlen zu behandeln. Die erste Sitzung findet noch
am selben Tag statt.
1923 Weihnachten
Hanns Sachs ist in Wien. - F.s Sohn Oliver und dess Frau Henny sind
über Weihnachten bei F. zu Besuch. - F. liest ein Vorausexemplar
von Fritz Wittels Biographie über ihn, das er vom Autor zugesandt
bekommen hatte.
1923 Dez. Ende
F.s neue Prothese ist fertig.