1896

1896 Jan. 1
F. formuliert eine neue Variante der physiologischen Erklärung psychischer Vorgänge.

1896 Febr. Anfang
Adolf Strümpells "niederträchtige Besprechung" der "Studien über Hysterie" erscheint in der "Deutschen Zeitschrift für Nervenheilkunde". - F. leidet "häufig" an Migräne und seine Tochter Mathilde hat leichten Scharlach.

1896 Febr. 2
Alfred von Berger rezensiert die "Studien über Hysterie" unter dem Titel "Chirurgie der Seele" in der "Morgen-Presse" vom 2. Febr. 1896. F. nennt die Rezension einen "feinsinnigen Artikel".

1896 Febr. 5
F. schickt einen Artikel mit "Weiteren Bemerkungen über die Abwehr-Neuropsychosen" an Emanuel Mendel, den Herausgeber des "Neurologischen Zentralblatts" und einen über Vererbung und Ätiologie der Neurosen an die "Revue Neurologique".

1896 Febr. 6
F. schreibt an Wilhelm Fließ, daß mit Josef Breuer nicht mehr auszukommen sei.

1896 vor Febr. 13
F. liest Hippolyte Taines "L'Intelligence".

1896 Febr. 13
F. empfindet es "schmerzlich", daß Josef Breuer "sich so ganz aus meinem Leben gestrichen hat."

1896 Febr. Mitte
Die Psychologie beschäftigt F. "unausgesetzt".

1896 Febr. Ende
F. hat Wilhelm Fließ' Manuskript über "Die Beziehungen zwischen Nase und weiblichen Geschlechtsorganen" "in einem Zuge durchgelesen" und kommentiert es in einem Brief an Fließ vom 1. März ausgesprochen kritisch.

1896 März 7
F. erwähnt, daß Martha an einer "Schreiblähmung" leidet.

1896 März 10
F. ist bei einer Sitzung des Vereins für Psychiatrie und Neurologie und beteiligt sich an der Diskussion über einen Vortrag von Hermann Schlesinger "Über acut entzündliche Formen der Bulbärlähmungen".

1896 März 16
F. beschreibt ein Blatt mit dem Titel: "Vorlesungen über die großen Neurosen (Neurasthenie, Angstneurose, Hysterie, Zwangsneurose)". - Er plant ein Buch unter dem Titel: "Psychologie und Psychotherapie der Abwehrneurosen".

1896 März 30
F. benutzt erstmals den Terminus "Psychoanalyse".

1896 Apr.
F. glaubt, seine "Sehnsucht nach philosophischer Erkenntnis" zu erfüllen, indem er "von der Medizin zur Psychologie" hinüberlenkt. Er ist überzeugt, Hysterie und Zwangsneurose definitiv heilen zu können.

1896 Apr. - Juli
F. hält Vorlesungen über Hysterie.

1896 Apr. 2
F. verwendet in einem Brief an Wilhelm Fließ zum ersten Mal den Begriff "metapsychologisch".

1896 Apr. 4-6
F. ist zu einem "Kongreß" mit Wilhelm Fließ in Dresden; u.a. diskutieren sie über Somnabulismus.

1896 Apr. ca. 8-19
F. ist in Obertressen bei Aussee und leidet an Migräne, Nasenbeschwerden und Anfällen von Todesangst im Zusammenhang mit dem Tod des bekannten Wiener Bildhauers Victor Tilgner.

1896 Apr. 16
F. schickt Wilhelm Fließ zwei Arbeiten über Neurosen und äußert Vermutungen über psychische Hintergründe der Beschwerden von Emma Eckkstein in den Monaten nach der mißlungenen Operation.

1896 Apr. 21
F. hält vor dem Verein für Psychiatrie und Neurologie einen Vortrag über die "Ätiologie der Hysterie"; Richard von Krafft-Ebing äußert dazu: "Es klingt wie ein wissenschaftliches Märchen."

1896 Apr. 28
F.s Tochter Anna bekommt ihren ersten Zahn.

1896 Mai
Das Wartezimmer F.s bleibt erstmals leer.

1896 Mai Anfang
F. arbeitet an der Psychologie "rüstig und einsam weiter", fühlt sich aber "isoliert".

1896 Mai 2
F. hält vor der Jugend der jüdisch-akademischen Lesehalle einen Vortrag über Traumdeutung.

1896 Mai 4
F. interpretiert Emma Ecksteins Blutungen als hysterisches Symptom.

1896 Mai 15
F. benutzt den Begriff "Psychoanalyse" erstmals in einem deutschen Aufsatz ("Weitere Bemerkungen über die Abwehr-Neuropsychosen").

1896 Mai 17
F.s ist zur Hochzeit seiner Schwester Rosa mit Heinrich Graf; auch Josef Breuer ist anwesend.

1896 Mai ca. 23-30
F.s Halbbruder Emanuel ist für eine Woche zu Besuch in Wien.

1896 Mai 30
F. enwickelt die Verführungstheorie durch Präzisierung der zeitlichen Zusammenhänge weiter.

1896 Juni
F. schreibt das Vorwort zur zweiten deutschen Auflage seiner Übersetzung von Hippolyte Bernheims "Die Suggestion und ihre Heilwirkung".

1896 Juni 4
F. schreibt weiter an dem Beitrag über cerebrale Kinderlähmungen.

1896 Juni 5-7
F. bringt seine Familie nach Aussee und fährt nach Wien zurück.

1896 Juni Mitte
F.s Vater ist ernsthaft erkrankt und F. will sich deshalb nicht weit von Wien entfernen.

1896 Juni 27-30
F. besucht seine Familie in Obertressen.

1896 Juni 30
F. sagt ein Treffen mit Wilhelm Fließ wegen der Erkrankung des Vaters ab.

1896 Juli 11-12
F. besucht seine Familie Obertressen.

1896 Juli 15
F. sagt erneut ein Treffen mit Wilhelm Fließ ab, da ihm klar ist, daß sein Vater im Sterben liegt.

1896 Juli 26 - Aug. 30
F. ist zum Urlaub in Obertressen; In diesem Sommer sind in Aussee außerdem zum Urlaub: Hugo von Hofmannsthal, Theodor Herzl, Karl Lueger, Karl Kautsky, Karl Kraus.
Anfang August: F. geht auf den Schafberg und nach Salzburg
Anfang August: F. macht mit den Kindern Ausflug nach Hallstatt und ins Echerntal. Oliver ist enttäuscht, daß er nicht auf den Dachstein kommt.
12.08.: F. besucht die Lichtensteinklamm.
23.-24.08.: F. durchwandert das Kapruner Tal.
26.-29.08.: F. triftt sich mit Wilhelm Fließ in Salzburg (Hotel "Nelboeck")

1896 Aug. 30 - Sept. 11
F. reist mit seinem Bruder Alexander über Steinach nach Oberitalien.
30.08.: Steinach - Venedig
31.08.: Venedig - Florenz - Padua
01.-02.09.: Bologna
03.09.: Ravenna, Faenza.
04.-11.09.: Florenz. Hier wohnen beide einen Teil der Zeit (ab 7.9.) im Torre del Gallo, der Villa, in der Galileo Galilei von 1631 bis zu seinem Tode gelebt hatte.
11.-12.09.: Florenz - Franzensfeste - Bischofshofen - Aussee
13.-14.09.: Aussee - Ischl - Wien

1896 Sept. Mitte
F. liest Victor Hehns Buch "Italien". - Er nimmt die Frau eines Freundes "in Kur". - Ein Kollege F.s lehnt ein Konsilium mit ihm ab, mit der Begründung, F. sei nicht ernst zu nehmen.

1896 nach Sept. Mitte
F. ist zur Premiere von Leo Ebermanns "Die Atenerin" im Burgtheater.

1896 Sept. 24
F. wird von einer Influenza "erhascht".

1896 Sept. 27
F. ist zu einem Patientenbesuch bei der Tochter eines Kollegen in Oderberg (heute Novy Bohumin).

1896 Sept. 29
F. erwirbt Ludwig Edingers "Vorlesungen über den Bau der nervösen Centralorgane des Menschen und der Tiere. Für Ärzte und Studierende".

1896 Okt. - 1897 März
F. hält Vorlesungen über die großen Neurosen.

1896 Okt. Anfang
F. schreibt an den "Kinderlähmungen".

1896 Okt. 11
F.s Frau Martha reist allein nach Hamburg, auf der Hinreise kurzer, auf der Rückreise längerer Aufenthalt bei Familie Fließ in Berlin.

1896 Okt. 23
Tod von F.s Vater. F. schreibt an Wihlhelm Fließ: "Auf irgendeinem der dunklen Wege hinter dem offiziellen Bewußtsein hat mich der Tod des Alten sehr ergriffen. Ich hatte ihn sehr geschätzt, sehr genau verstanden, und er hatte viel in meinem Leben gemacht,
mit der ihm eigenen Mischung von tiefer Weisheit und phantastisch leichtem Sinn ... Ich habe nun ein recht entwurzeltes Gefühl."

1896 Okt. 25
Beerdigung von F.s Vater. Es sind nur wenige Freunde und Verwandte anwesend, u.a. Heinrich Graf, Ludwig Rosenberg, Leopold Königstein und Max Kahane. In der Nacht darauf hat er den Traum vom "Augen-Zudrücken".

1896 Nov. Anfang
F. arbeitet wieder an dem Artikel über Kinderlähmungen. Er freut sich über seine sieben "Kuren", hat aber sonst wenig Patienten. - Er kauft sich eine Statuette von Kühne "Die neuen Schuhe".

1896 Nov. 2
F. bekommt von Carl Wernicke einen Patienten überwiesen.

1896 Nov. Mitte
F. hat wieder verstärkte Herzschmerzen.

1896 Nov. 22
F. verlegt seine Praxisräume von der ersten Etage ins Hochparterre des Hauses Berggasse 19.

1896 Dez. Anfang
F. kauft einige Kopien von Florentiner Statuen, darunter Michelangelos "Sterbender Sklave", und stellt sie in seinem Arbeitszimmer auf. Er arbeitet zehn bis zwölf Stunden täglich, u.a. behandelt er eine Cousine von Wilhelm Fließ. - Oscar und Melanie Rie besuchen F.

1896 vor Dez. 6
F. hat Traum von "Theorie der Bisexualität".

1896 Dez. 6
F. träumt von einem "Kongreß auf italischem Boden! (Neapel, Pompeji)." - Er entwickelt eine Theorie von der "Aufeinanderschichtung" des psychischen Mechanismus' und der Hysterie als Folge von Perversionen des Verführers.

1896 Dez. 17
F. entwickelt Hypothesen zur Metapsychologie.

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